Weltweit: Indigene Konfliktherde – Bericht 48 – März 2011


ImageDiesen Monat bei Underreported Struggles: Algonkins der Lake Barriere-Region entdecken Arbeiten eines kanadischen Bergbauunternehmens auf ihrem Gebiet; die Führer der indigenen Bevölkerung kritisieren die Regierung Bangladeschs heftig dafür, dass diese die Jumma-Stämme nicht als Ureinwohner anerkennen; der britische Bergbauriese Vedanta Resources  brandmarkte die Dongria Kondhs Berichten zufolge als “Terroristen”.

Der Gemeinschaft der Kayan wurde endlich das Landrecht für Gebiete ihrer Vorfahren in Sarawak zugesprochen. In einer aktuellen Entscheidung bestätigte der Hohe Gerichtshof im District Miri die Rechte der Waldbewohner an diesem Stück Land und erklärte das Nutzungsrecht für null und nichtig, das zuvor dem weltweit berühmt-berüchtigten Palmölriesen der IOI Gruppe durch die sarawakische Provinzregierung zugeteilt worden waren. Kurz vor dem Gerichtsentscheid forderten die Ureinwohner Long Terans friedlich in einem Akt des kollektiven Widerstandes einen Teil des Landes ihrer Vorfahren zurück. Für mehr Nachrichten über Sarawak, behalten Sie http://sarawakreport.org/ im Auge.

Fünf indigene Männer der Tzeltal-Sprach-Gruppe werden “als Geiseln” der Regierung Chiapas’ gehalten. Die jetzt als “Bachajón 5″ bekannten Männer glauben, dass die Regierung sie so zwingen möchte einem vorgeschlagenen Ecotourismus Projekt zuzustimmen und ihre Unterstützung für Other Campaign aufzugeben. Zunächst waren 117 indigene Zapatista Anhänger von der Regierung festgenommen worden; wobei die meisten von ihnen nach landesweiten Protesten freigelassen wurden. Ein fünftägiger internationaler Protest für die “Bachajón 5″ ist für ab dem 1. April angesetzt.

Eine Gruppe von Algonkins der Barriere Lake-Region entdeckten Vorbereitungsarbeiten eines kanadischen Bergbauunternehmens für ein neues Bergbauprojekt auf dem ihnen zugesprochenen Gebiet. Nachdem die Bergbauarbeiter- vor allem Crees von den First Nations-Stämmen Mistassini und Oujebougamou-  über die Situation in der Barriere Lake-Region informiert worden waren, stimmten sie freiwillig zu, ihre Arbeit zu stoppen und die Gegend zu verlassen. Mitglieder der Barriere Lake-Gemeinschaft planen jetzt eine ständige Wache auf dem Gelände um so eine Wiederaufnahme der Arbeiten stoppen zu können.

Elf Frauen der Mayan Q’eqchi kündigten an, ein kanadisches Bergbauunternehmen wegen Körperverletzung und gemeinschaftlicher Vergewaltigung während einer Zwangsumsiedlung in El Estor (Guatemala) vor vier Jahren auf 55 Millionen Dollar zu verklagen. Die Frauen gaben an durch das Security Personal der Firma als auch durch Polizeibeamte und Soldaten während der Umsiedlung vergewaltigt worden zu sein. Genauere Informationen und der Hintergrund der Klage sind nachzulesen auf http://www.chocversushudbay.com/

Die Toba Qom errichteten in Buenos Aires ein Protest Camp gegen systematische Diskriminierung, Verletzungen der Menschenrechte und der andauerndenden Missachtung ihrer Landrechte durch die Argentinische Regierung. Als Nachfolgeaktion der viermonatigen Straßensperre der Tobas, die im letzten November gewaltsam aufgelöst wurde, fordern die Indigenen jetzt ein Treffen mit dem Präsidenten Argentiniens um Ihre Situation darstellen zu können.

Indigene Frauen der Lake Tyers-Gemeinschaft im östlichen Gippsland in Victoria gehen mit einer Blockade gegen die selbstgegebene Herrschaft der Regierung über ihre Gemeinschaft vor. Am internationalen Frauentag, dem 8. März, starteten sie die Blockade um einem von der Regierung eingesetzten Verwalter und seinem Team den Zugang zu der Gemeinschaft zu versperren. Als Antwort auf die Blockade ließ die Regierung viele Sozialleistungen für das Reservat aussetzen.

Die United Native Americans (UNA), 1968 gegründet um den Allgemeinen Wohlstand der Indigenen in den Vereinigten Staaten voranzutreiben, riefen eine Protestkampagne gegen die Hearst Corporation ins Leben. Sie protestieren gegen den historischen Diebstahl der Black Hills und der Homestake Goldmine (welcher das Attribut der größten Goldmine der westlichen Hemisphäre nachgesagt wird). UNA sieht die Zeit gekommen, dass das Unternehmen der Lakota Nation für diese illegale Landnahme Schadensersatz zahlt. Am 29. August dieses Jahres, 2011, wird eine Versammlung in der Homestake Mine in Lead in Süddakota stattfinden, auf der der Forderung nach Wiedergutmachungen und Übernahme der Verantwortung Ausdruck verliehen werden soll. Mehr Informationen zu diesem Event gibt es auf http://www.facebook.com/group.php?gid=106757141724&v=wall

Der britische Bergbauriese Vedanta Resources sieht sich mit schockierenden Vorwürfen konfrontiert. Einem aktuellen Bericht zufolge wurden Milizen bei einem von Vedanta unterstützten Treffen aufgefordert “Dongria Kondh-Dorfbewohner zu warnen sich nicht gegen Vedanta zu stellen, da sie ansonsten als Maoisten (Terroristen) denunziert und getötet werden.” Das Treffen steht in starkem Kontrast zu Vedantas “verklärender Rhetorik” den Dongria Kondhs gegenüber.

Indigene Führer und politische Parteien aus der Provinz Chittagong Hill Tracts in Bangladesch gaben ihrer Empörung der Regierung gegenüber wegen der Nichtanerkennung der Jummas als “Indigenes Volk” in der neuen Verfassung Ausdruck. “Sie bezeichneten die Haltung der Regierung als “Verschwörung”, die ihnen so die Volkzugehörigkeit der Gruppen, ihren verfassungsmäßigen Anspruch auf Land und Selbstbestimmung nimmt.”

Mindestens 1000 Polizeibeamte und Soldaten vertrieben im Norden Guatemalas mehr als 3000 Q’eqchi Mayas aus Gebieten, auf die ein landwirtschaftliches Unternehmen Anspruch erhob. Während der Räumung setzten die Sicherheitskräfte Häuser und Ernten der Mayas in Brand oder zerstörten sie mit Treckern und Macheten. Nahezu ein Dutzend Menschen wurde während dieses Vorgangs verletzt.

Ein “ernstzunehmendes chemisches Leck” wurde bei der Aufbereitungsanlage der Ramu Mine entdeckt, die am Rand der Basamuk Bucht in Papua Neu Guinea gelegen ist. Seit der Freisetzung der Chemikalien hat die indigene Bevölkerung an der Bucht eine plötzliche und dramatische Veränderung am dortigen Korallenriff festgestellt: Die Korallen sind alle weiß geworden. Korallenbleiche ist ein starker Indikator dafür, dass es dem Riff an essentieller Nahrung fehlt.

“Während der Rest Panamas Karneval gefeiert hat” berichtet Cultural Survival, sind die Ngöbe zusammen gekommen und haben einen neuen Präsidenten für den Ngöbe Bugle Rat gewählt, die größte indigene Organisation in Panama. Die Regierung Panamas, die kürzlich die ILO Konvention bestätigt hat, hat sich seit 2010 bemüht im Bezirk Ngobe ein neues Wahlsystem einzuführen. Die Ngobes sind weitestgehend gegen diese Auferlegung, die ihre Rechte (wie in der UN-Erklärung für die Rechte der Indigenen Völker… und der ILO Konvention beschrieben) beschneiden würde.

Das Amt für Umweltgüte in Arizona (ADEQ) begrüßte die Wasser- und Luftqualitätssicherung für drei Uranminen in der Nähe des Grand Canyons, darunter auch die Arizona 1 Mine und die vorgeschlagene Canyon Mine beim Red Butte. Das Volk der Havasupai, das sich selber als “Hüter des Grand Canyons” sieht, protestiert beständig gegen Uranbergbau in der Region und besonders nahe des Red Butte, das eine heilige Bet- und Zeremoniestätte der Havasupai “für die Gesundheit der Welt” darstellt.

Mitglieder der Blood Tribe fordern einen Stopp der Wasserbrucharbeiten in ihrem Reservat im Süden Albertas in Kanada. Laut der Basisbewegung, Protect Blood Land, hat das Blood Tribal Gericht ohne Rücksprache zwei Ölunternehmen Bohrrechte für fast die Hälfte des Reservats gegeben. Nach Bekanntwerdung der Gefahren der Wasserbruchtechnik möchte Protect Blood Land einen Arbeitsstopp erwirken bis eine genaue Untersuchung im Reservat stattgefunden hat. Desweiteren hebt die Gruppe hervor, dass einige Gegner des Ölabbaus eingeschüchtert und zur Unterstützung gezwungen worden sind.

Führende Persönlichkeiten der autonom regierten Wixarika-Gemeinschaft von Tatei Kie verkündeten die “totale Ablehnung” des Bergbaus im zeremoniellen Zentrum der Wirikuta in San Luis Potosi (Mexiko). In der schriftlichen Fassung ließen die traditionellen Oberhäupte verlauten: “Wir werden uns nicht zurückhalten in unserer Verteidigung und wir laden die ganze Welt ein sich daran zu beteiligen diese schlimme Zerstörung des Heiligtums zu verhindern und so auch gegen die dunklen Interessen dahinter anzugehen, die unseren spirituellen Tod suchen.”

Ein neues Megastaudammprojekt am Fluss Patuca bedroht Dutzende von Tawaka und Miskito Gemeinschaften in Honduras. Die abgesetzte Zelaya Verwaltung hat das Projekt als Resultat der indigenen Proteste aussetzen lassen. Mit dem durch einen Staatsstreich an die Macht gekommenen Regime allerdings ist – zumindest vorübergehend – “die vergangene Politik der Verfolgung von Führern der Urvölker” und die Entwicklung zum Nachteil der indigenen Menschen wieder an der Tagesordnung. Auf der anderen Seite haben sich Abgeordnete der indigenen Völker im Februar getroffen und vereinbart, dass sie “sich permanent auflehnen, beobachten und anprangern sowie gemeinsam eintreten um Rio Patuca, seine Fische, Ökosysteme und die Tawahka und Rio Platano Biosphärenreservate zu verteidigen. 

Die Evenks im Norden Sibiriens haben eine neue Kampagne gegen den russischen Ölriesen Gazprom ins Leben gerufen. Das Ölunternehmen plant eine neue Pipeline durch das Gebiet der Evenks; die Evenks indessen sagen, dass dies ihre traditionellen Jagdgebiete und Fischereigründe bedrohen würde. Gazprom ließ verlauten, dass es ein zu großer Kostenaufwand wäre die Pipeline umzuleiten.  

Ein größeres hydroelektrisches Erweiterungsprojekt in Gebieten im Nord-Westen Kanadas wurde angeblich wegen Problemen mit der Geschäftsprozessmodellierung auf Eis gelegt. Die Denes haben zahlreiche Gründe zur Sorge bezüglich der Erweiterung des Taltson Staudamms angegeben. Dabei sollen neue Stromleitungen durch unberührtes Gebiet verlegt werden, dass die Denes als heilig erachten.

Richter in der Chilenischen Provinz Arauco stimmten für Freisprachen im Fall der unpopulären “Terrorismus”-Anklagen gegen 17 Mapuche Aktivisten wegen eines Zwischenfalls im Oktober 2008. Die Richter sprachen bis auf vier alle Aktivisten frei. Diese vier sind nun in einen unbegrenzten Hungerstreik getreten.

Videos des Monats

Öl in Eden: Die Schlacht zum Schutz von Kanadas Pazifikküste/ Oil in Eden- The Battle to Protect Canada’s Pacific Coast – liefert eine Zusammenfassung der Themen rund um “die eingegrenzte kanadische Umweltdebatte unserer Zeit:” das vorgeschlagene Enbridge Northern Gateway Pipeline Projekt”.

In “We Women Warriors” wird die Leben von drei indigenen Frauen in Kolumbien gezeigt, die friedlich versuchen die Selbstbestimmungsrechte ihrer Volksgruppen angesichts ständiger gewaltsamer militärischer Aktionen zu verteidigen.

Flüchtlinge des Naturschutzes – Vertrieben aus dem Paradies/ Conservation Refugees- Expelled from Paradise ist eine preisgekrönte Dokumentation von Marketfilm und Freunde der Naturvölker und lädt uns ein, einige der Flüchtlinge und die Probleme, denen sie jetzt als Vertriebene gegenüber stehen, kennen zu lernen.

Underreported Struggle ist eine monatlich von Intercontinental Cry zusammengetragene Vorschau von zensierten und journalistisch in Vergessenheit geratenen Nachrichten.

Übersetzung FdN (heal)

Your email is never shared.
Required fields are marked *